ehemalige Pfarrkirche, (Friedhofskirche) 

Ein baugeschichtlicher Überblick 

nach

Dipl. Ing. Herbert van Beek,

Erzbischöfliches Bauamt

aus " 875 Jahre Pfarrei Michelfeld", 1996

 

 

Das Jahr 1996 war das 875. Jubiläumsjahr der Pfarrei Michelfeld. Durch die damals laufende Restaurierung der ehemaligen Klosterkirche und deren herausragende kunsthistorische Be- deutung ist eine andere Kirche in Michelfeld unverdient etwas ins Abseits geraten. Die Kirche St. Leonhard, die bis zur Auflösung des Klosters im Zuge der Säkularisation 1803 Pfarrkirche war. Sie ist die maßgebliche Trägerin von nunmehr 884 Jahren Pfarrei Michelfeld. Die wich- tigsten Eckdaten zu ihrer Baugeschichte seien im Folgenden genannt. Die wichtigste Quelle für diesen kurzen Überblick bildet dabei der Aufsatz von Franz Wolfring in seinen Beiträgen zur Geschichte Michelfelds.

 

Zwei Jahre nach der Gründung des Klosters erbaute der bischöfliche Kaplan Herold im Dorf Michelfeld, nahe dem Kloster, eine Kirche und schuf so die Voraussetzungen dafür, dass der hl. Bischof Otto am  6. November 1121 Michelfeld zur Pfarrei  erheben konnte.

 

Wie die erste Kirche des Hl. Leonhard ausgesehen hat, wissen wir nicht, ebenso wenig, wann die Vorgängerkirche der heutigen errichtet wurde. Um 1550 erreichte die Reformation Michel- feld. Hager zitiert ein Visitationsprotokoll von 1629, bei Einführung der Gegenreformation, demzufolge die Kirche "öd und wüst" genannt wird. Der Bildersturm hatte sie aller Ausstat- tung beraubt. Als dann 1633 und 1634 die Schweden in Auerbach und Michelfeld hausten, ging die Kirche 1634 in Flammen auf. Sie sollte Ruine bleiben, bis 1725 der Wiederaufbau in Angriff genommen werden konnte. Die Gottesdienste wurden derweil in die Klosterkirche, die heutige Pfarrkirche, verlegt. Provisorisch wurde die St. Michaelkapelle wieder instand gesetzt.

Als 1725 der Bau und die Ausstattung der Klosterkirche im Wesentlichen abgeschlossen wa- ren, begann man mit der Wiederherstellung der St. Leonhardskirche. Wolfring, der den Bau- fortschritt ausführlich beschreibt, berichtet für das Jahr 1731 die Anschaffung von Tafelglas für die Fenster und von regen Zimmererarbeiten am Turm. Schreinermeister Rau macht diver- se Einrichtungen und setzt den Altar auf. Somit kann der Bau im Jahre 1732 als vollendet an- gesehen werden. Die Sakristei ist noch im Turm untergebracht, erst im Jahre 1741 wird die heutige mit dem Gang auf die Kanzel gebaut.

 

 

An Ausstattung wurde Wolfring zufolge bereits 1732 ein einfaches Gestühl angefertigt, das noch heute erhalten ist. Beichtstühle, Taufstein und Sakristeieinrichtung wurden aus der St. Michaelkapelle übernom- men. Hans Michael Webern wurde 9 Gulden und 30 Kreuzer für eine Kanzel gezahlt, bereits 1741 jedoch weitere 18 Gulden und 12 Kreuzer an Schreinermeister Lucas aus Auerbach für eine neue, die jetzt durch den neuen Gang von der Sakristei erschlossen wird.

 

 

 

Den Hochaltar stattete Michael Doser aus Auerbach 1736 mit Figu- ren aus, die durch den Maler Johann Georg Durban gefasst wurden. 1760 ff wurde der  Altar durch seinen Sohn Augustin Doser ausgestat- tet. Der Hochaltar trägt das Wappen des Abtes Marianus Eder (1738- 1783) und die Inschrift: "Protege popVLVM zeLator sanCte Leonar- De" (d. h. "Schütze mit Eifer Dein Volk heiliger Leonhard"), die als Chronostichon die Jahreszahl 1760 ergibt (Schnellbögl).

 

 

Bei Bezug der neu erbauten Kirche gab es den Kirchenrechnungen zufolge zwei Seitenaltäre zu Ehren unserer Lieben Frau und des hl. Joseph, die unter Umständen aus der Michaelkapelle stammen können. Im Jahre 1742 erhält "Herr Doser allda" 76 Gulden für die neuen Altäre Unsere Liebe Frau und St. Magdalena.

 

 

1742 wurde eine neue Orgel für die Leonhardkirche von Elias Hößler aus Lauf angeschafft. 

 

1757 ging man daran, die Decke zu gestalten. Als Stukkator ist Rudolf Albini belegt, der 1719 in Bamberg geboren wurde und 1797 in Bayreuth starb (Schnellbögl / Sitzmann).

 

 

 

 

 

Bei der jüngsten Renovierung fand man den ursprünglichen Boden des Kirchenraumes, der aus quadratischen Ziegelplatten bestand. Um 1760 wurde er durch einen besseren Pflaster- belag ersetzt. Dieser wiederum verschwand im Jahre 1910, als der noch brauchbare Platten- belag der St. Johanneskirche nach deren Neupflasterung hier eingebaut wurde.

 

Aus Kirchenrechnungen und Inventaren gehen noch etliche Figuren, Kruzifixe, ein Kreuzweg und viele kleinere Ausstattungsstücke, Musikinstrumente und mehr hervor, so dass wir uns St. Leonhard als reich ausgestattet vorstellen können. Es war also die Pfarrei Michelfeld mit ihrer damaligen Pfarrkirche St. Leonhard eingebunden in die festliche, barock geprägte religiöse Lebensfreude dieser Zeit.

 

 

Quellenverzeichnis

Batzl, Heribert             Ehem. Benediktinerabtei Michelfeld

Schnell, Kunstführer Nr.747, 1962

Grove, Petra               Johann Baptist Zimmermann als Stukkator in Michelfeld. In: Jahrbuch der

                                   Bayerischen Denkmalpflege Bd.42, München 1988

Hager, Georg              Michelfeld, Kath. Pfarrkirche St.  Johannes EV., ehem. Benediktiner- Kloster-

                                   kirche. In: Die Kunstdenkmäler von Oberpfalz und Regensburg, Bd. XI,

                                   Bezirksamt Eschenbach, München 1909.

Mörtl, Adolf                Inventar der Pfarrkirche St. Johannes EV. Michelfeld - ehemalige

                                   Benediktiner-Klosterkirche, Bamberg 1984 (?)

Räbel, Hans                 Die Restitution der ehemaligen Benediktiner-Adelsabtei Weissenohe im

                                   Zusammenhang mit der Wiedererichtung der übrigen oberpfälzischen Klöster,

                                   Forchheim, 1905

Schnellbögl,F. /            Zur Geschichte von St. Leonhard in Michelfeld

Wohnhaas,Th.

Wolfring,Franz             Beiträge zur Geschichte Michelfelds