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Asamkirche St. Johannes Evangelista
Rundgang Teil 1 nach
Dr. Heribert Batzl, Schnell, Kunstführer Nr. 747 "Die
breit gelagerten Seitenkapellen, die Reihenfolge der historisch angeordneten
Fresken
und die räumliche Gesamttendenz führen den Eintretenden sofort zum C h o r.
Durch einen durchgezogenen Gurtbogen an der Decke und das Kommuniongitter ist er vom Langhaus abgesondert. Er fällt durch die seitlichen Kompositpilaster (im Gegensatz zu den Doppelpilastern im Langhaus), durch die abgegrenzte Räum- lichkeit und vor allem durch die durchgehende Bemalung der Decke, die an eine Scheinkup- pel erinnert, die Ecksäulen und den Hochaltar auf. Der Stuck hält auf dem hier eingefügten Holzlattengewölbe sehr gut. Der Stuck der Kirche wurde um 1716 frühestens, aber wahrscheinlich etwas später aufgetra- gen; 1717 kam Cosmas Damian Asam. Er vertrat die malerische Richtung, die den schweren Stuck des Spätbarocks verdrängte; wahrscheinlich dürfte er vorgeschlagen haben, die Chor- decke, die vielleicht eine reich stukkierte kleine Kuppel oder gewichtige Stuckzier hätte er- halten sollen, in raumbefreiendem Sinn auszumalen. Jedenfalls siegte in Michelfeld bereits 1717 der Maler über den guten Stukkator. Wenn die Langhausstukkaturen von seinem Bru- der Egid gefertigt worden wären, hätte Cosmas kaum seinen Bruder verdrängt. Da der frü- here schwere Hochaltar von 1697 aus unbekannter Hand sich nicht mehr einfügte, kompo- nierte Cosmas Asam 1720/21 den jetzigen Hochaltar.
Mit einfachen Mitteln schuf Cosmas Asam den wirkungs- vollen, farbig geschmackvoll abgestuften H o c h a l t a r mit den für ihn stilistisch charakteristischen Form- Elementen: sich öffnende Schrägstellung der beiden gedrehten Säulen mit gerilltem Muster in der Mitte (Nachbildung der Berni- nisäulen in der Peterskirche in Rom), persönlich formulierte Kapitelle, dunkeltöniges hohes Gebälk mit kräftigen Volu- ten (spiralförmige Einrollung), abschließendes Mittelstück mit typischem Kassettenmuster, darüber in den Wolken plastisch Gott Vater mit Engeln.
Das Gemälde von Cosmas Damian Asam verbindet den liturgischen Hinweis auf das Abendmahl mit der Betonung des Lieblingsjüngers des Herrn, Johannes d. Ev., des Kirchen- patrons (Inschriftkartusche: Ecce hic est dilectus discipulus Christi. Das Chronostichon ergibt 1721). Interessant sind die Gestalten im Vordergrund des Bildes. Nach alter Überlieferung links das Selbstporträt des Malers, der auf den Tabernakel hinweist,
rechts sein Bruder Egid Ouirin (mit Gefäß), hinter diesem die Schwester der Gebrüder, die bei den Vergoldungsarbeiten mitgeholfen hat.
Über den seitlichen Türen zur Sakristei stehen die beiden lebendig geformten,großen Figuren des Klosterstifters St. Otto (links) und des hl. Wolfgang (rechts) von Egid Quirin Asam.
Über ihnen erscheinen die Fenster des ehemaligen Psallierchores mit reichverzierten Gittern des Spätrokokos. Ein gleich gestaltetes Gitter schließt das Chörlein an der Südwand ab.
In den vier Ecken die vier Evangelisten. Die Komponierung der Architektur und vor allem der Figurengruppen ist freier und gelockerter als bei den übrigen Fresken, so dass angenommen werden muss, C. D. Asam habe dieses Fresko erst um 1718/20 gemalt, jedenfalls als letztes Fresko dieser Kirche. Im frühen Klassizismus entstanden die Holzverkleidungen an den Seitenwänden und der Stuck an den Säulenpodesten. Bei der Betrachtung der Kapellen fällt auf, dass ausschließlich die Altäre in den Kapellen an der Südseite des Langhauses, an der wegen des anstoßenden Klostertraktes keine Fenster sind, Altarblätter aufweisen, während für die Altäre in den gegenüberliegenden Kapellen an der Nordseite mit Rücksicht auf die Fenster eine andere Lösung (leichte Rahmen, Pilaster und Gesims, welche die Fenster miteinbeziehen) gefunden werden musste. Die großräumig angele- gten Kapellen sind jeweils reich ausgestattet: mit Deckenstuck und kleinen Deckenbildern; Gurtbogen auf Pilastern sind am Anfang und Ende jeder Kapelle eingefügt, nach dem Prinzip der erleichternden Verjüngung rückwärts jedoch nur halb so breit; an den Seitenwänden auf Konsolen lebensgroße Barockfiguren, die die 14 Nothelfer darstellen, wohl von Egid Quirin Asam und Mitarbeitern; diese Figuren, z. T. bravourös entworfene Skulpturen, zu größerem Teil einfache Schülerarbeiten, ziehen sich programmatisch durch alle Kapellen und verbinden diese gedanklich (frühes Beispiel in Süddeutschland; vgl. später u. a. Zwiefalten). Die Altarkompositionen stammen von geübter, unbekannter Hand.
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